Selbstreflexion


Schon längst gefunden von dem, der sein wird. Gebeten von denen, die mich lieben. Gezwungen von denen, die mich hassen. Im Grunde ist alles gleich, denn zu klein ist unsere gedachte Welt, als dass wir durch eitle Nuancen trennen könnten, was längst beschlossen ist.

Die Attraktivität der Anhaltspunkte



Wissend teilhaben ist ein Weg, von der Angst, der Krankheit zum Tode, geheilt zu werden. Es stellt kein System vor, sondern zeigt an, wo Menschen begonnen haben, sich zu erheben aus ihrer Unmündigkeit.

Diese Philosophie der Orientierung kann also nie vollständig sein, sondern kann nur mit Anhaltspunkten dienen. So gesehen, haben wir es bei all den Schriftstellern aus der Philosophie und Theologie und ihren schriftlichen oder erzählten Überlieferungen nur mit Anhaltspunkten zu tun. Diese können zu eigenen Standpunkten werden, wenn man sie in Zeit und Raum wissend abgleicht und bereit ist kritisch zu prüfen, ob damit der alte Mensch überwunden werden kann. So gesehen, verschmelzen all die Spezialisten an dem Punkt, wo aus der Not des Bekennens die Freude am Übergang wird. Das könnte man dann auch die Liebe am Leben nennen. Die Attraktivität der Anhaltspunkte liegt u.a. auch in der Abkürzung der Orientierung: Schade um den, der erst im Anblick des Todes erkennt, was zu tun gewesen wäre.

Die Attraktivität der Anhaltspunkte liegt in der Stringenz der Reihenfolge, in der sie vertragen und umgesetzt werden können. Somit erhält das Gesetz der Negation der Negation eine ganz wesentliche Rechtfertigung. Die Orientierung am dreifachen Aufheben.

Es kommt eben nicht darauf an, zu fragen, was gesagt worden ist, sondern wo die Forschung jetzt angekommen ist, wenn diese die Texte rezitiert:

Hat uns die Philosophie, die Theologie und die Politik im alltäglichen Denken neu orientiert?

Auf den Verzicht von Vernunft und Moral im Denken zugunsten der Flüssigkeit des Sinns?    

Auf den Verzicht des Subjekts Mensch zugunsten einer zwischenmenschlichen Performativität?

Auf den Verzicht einer profitorientierten Notwendigkeit zugunsten einer der Natur angemessenen Gehorsamkeit?

Auf den Verzicht eines Systems zugunsten einer fröhlichen Naturwissenschaft in allen Kontexten des Lebens?

Auf den Verzicht auf Gleichheit unter den Menschen zugunsten von Kreativität und Gabe ohne Gegenseitigkeit?

Auf den Verzicht auf das gute Leben zugunsten einer Routinen störenden Natur?

Nein! Der Elfenbeinturm und die Kanzeln lehren und predigen sich selbst.

Struggle for life – Was sind denn für Werte entstanden, derer wir uns heute rühmen könnten? Es muss uns doch wohl klar sein, dass der Maßstab der Aufklärung ein Minimum an Verbindlichkeit darstellt, hinter das wir eigentlich nie wieder zurück dürften. Sind wir aber nicht; darum befinden wir uns immer noch im Kriegszustand. Auch das ist nicht neu: „Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig.“ (Jak 2,10)

Genau da liegt unser nicht geklärtes Problem: Wir haben die Komplexität unserer Wirkung auf die Umwelt und auf uns selbst nicht verloren, sondern noch nicht gefunden. Wenn ich durch Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäfte mehr erreichen kann als durch das Ausrauben einer Bank, das eine straflos ausgeht und das andere sich nicht mehr lohnt, weil es gar kein Bargeld mehr gibt, dann sind wir immer noch im Kriegszustand. Die Nachlässigkeiten der Korruptionsbekämpfung interessieren nur diejenigen, die nichts vom Diebstahl abbekommen. Die Frage, wie das Böse in die Welt kam, ist falsch. Die Genealogie der Irrtümer und Lügen verläuft in versetzten Kontinuitäten und in vierdimensionalen Kausalketten, darum scheint es, als ob der einzelne Mensch letztlich unschuldig ist an dem, was IST. Die Vergangenheit wird zum Alibi für heutiges Übel. Wir setzen altem Übel neues hinzu. Damit geht es uns für den Moment besser, aber wir bereiten gleichzeitig den Boden für noch größere Übel vor.

(*) „VON NATUR AUS HAT JEDER EIN RECHT AUF ALLES. Und weil der Zustand des Menschen … ein Zustand des Krieges eines jeden gegen jeden ist, wobei jeder von seiner eigenen Vernunft geleitet wird und es nichts gibt, dessen er sich bedienen kann, das ihm nicht eine Hilfe bei der Erhaltung seines Lebens gegen seine Feinde sein mag, folgt daraus, daß in solch einem Zustand jeder ein Recht auf alles hat, sogar auf den Körper eines anderen. Und solange dieses Naturrecht jedes Menschen auf alles andauert, kann es daher für keinen Sicherheit geben (wie stark oder weise er auch sein mag), so lange zu leben, wie es die Natur des Menschen üblicherweise gestattet …“ Thomas Hobbes, Leviathan, Hamburg 1996, S. 108.


Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, daß ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. (Ps 127,1)


Seminare und Schulungen

Der Gesamtzusammenhang geht verloren!

Die Informationsbereitstellung und Verarbeitung ist das eine, aber wie schützen wir uns vor dem Verlust des Wissens um Kausalität und Verantwortlichkeit?

Das Fachwissen der Branche wird zum Leistungsfaktor.

Spezialisierung/ Arbeitsteilung verlangt Fachkompetenz, aber keine Philosophie.

Trotz eines Überangebots an Wissen wird Unwissenheit für die Gesamtzusammenhänge produziert. Der Inder mit Greencard ist das eine, aber die Gerberei in Indien das andere.

Vielleicht ist es aber auch besser, wir wissen gar nicht alles?

Die Rolle der Geisteswissenschaften in der Welt der Wirtschaft. – Wer zähmt die Heuschrecken? Wer klärt die unmündigen Geister auf? Projekte und Aktionen oder Schulen und Universitäten?


Wer trägt die Verantwortung für den Extremismus?

Die Ursachen für die Spannungen zwischen Links und Rechts, zwischen Kreuz und Halbmond, zwischen Weißen und Schwarzen waren nie nur ein Problem von unten. Auf allen Ebenen der Gesellschaft sind Anspruch und Wirklichkeit – im ganz konkreten Fall – in letzter Instanz immer an einen ganz bestimmten Menschen gebunden. Diese Spannung ist nicht neu: Schon Luther versucht, diese zu lösen, indem er von zwei Reichen spricht. In dem einem herrscht Christus mit all seiner Liebe und seinen Verbindlichkeiten und in dem anderen die Obrigkeit – wenn es sein muss, auch mit dem Schwert.

Gehört die Bergpredigt ins Rathaus? Kann ein Krieg gerecht oder heilig sein?

Haben wir den europäischen Nihilismus überwunden – oder ersaufen wir gerade in unserem elitären Fortschrittswahn?

Die Wahrheit sollte das Ziel sein

Die Verwunderung über die Fülle des Wissens, der Zweifel an dessen Wirksamkeit und die Nichtverfügbarkeit des Wissens verführen uns zur Resignation oder zu einem Glauben an eine zauberhafte Märchenwelt.

Wirkliche Kommunikation zwischen den Menschen bedarf der Wahrheit. Man muss sich in der Wahrheit einig werden. Pluralismus in allen Ehren, aber er muss kritisch sein.

Was sich als falsch herausgestellt hat, muss verworfen werden. Darf die Tradition vor den Sachfragen stehen? Wir können wissen, wir glauben und meinen zu wissen, aber es bleibt ein Verstehen auf Zeit in der Zeit.

Korrigieren, Eingestehen, Selbstkritik, Bekennen und Entschuldigen sind natürliche Tätigkeiten. Wer weiß, warum wir diese so meiden? Aus Angst vor Machtverlust? Also doch der nackte Kampf ums Dasein, der Mensch als Wolf?


Was tun?

„Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern und sprach: Auf Mose’s Stuhl sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, daß ihr halten sollt, das haltet und tut’s; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht tun: sie sagen’s wohl, und tun’s nicht.“ (Mt 23,1–3)

In dieser unendlichen Angebotsfülle von politischen, religiösen, wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Anschauungen besteht die Lösung für die Überwindung unserer Ängste nicht in neuen Interpretationen von Weisheiten, die den Pluralismus der Weltanschauungen nur vergrößern, sondern im rechten TUN. „Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?“ (Mt 5,46)

Religionen der Welt

„Es wird uns bewusst, dass es eine Herkunft geben könnte, die vor der Welt und über alle Welt ist, aber in dieser Welt nicht Gegenstand werden kann. Wir öffnen uns für dieses Andere, das wir im Sinne von Weltsein nicht wissen können.” Karl Jaspers

Gibt es eine Ur-Religion oder ein Ur-Ethos?

Was passiert, wenn Religionen sich ein Bild von Gott machen?

Was ist Offenbarung? Was ist philosophischer Glaube? Was ist Atheismus?

Formen der Religionskritik. – Dürfen wir andere Religionen kritisieren? 

Warum ist der interreligiöse Dialog das Gebot der Stunde und nicht die Ökumene?

Die Religionen müssen ihre Schränke aufräumen und sich rigoros von alten Sachen trennen.

War der Tag, an dem an der Humboldt-Universität zu Berlin die Idee geboren wurde, die Theologische und die Philosophische Fakultät zusammenzulegen, ein guter Tag?


Freiheit im Denken – Fortschritt in Grenzen?

Welchen Ursprung hat die Freiheit? Kommt sie aus der Einsicht in die Notwendigkeit? Aber welche Notwendigkeit? Oder aus der heteronomen Bestimmung eines Glaubens? Aber mit welchen Glaubensinhalten? Oder aus dem Willen zur autonomen Macht?

In Zeiten der nicht drängenden Nöte läuft der Mensch Gefahr, die Annehmlichkeiten, die ihm zugänglich sind, als unbedingte Standards für seine Lebensart vorauszusetzen. Eine längere Phase des Wohlstands lässt vergessen, dass der Grad der Bedürfnisbefriedigung, der man frönt, nicht dem Niveau der Allgemeinheit entsprechen muss. Das Paradoxe ist, dass eine plötzliche Verbesserung der materiellen Verhältnisse, die sich meistens nicht aus ehrlicher Hände Arbeit speist, als ein völlig normaler Vorgang eingestuft wird, die Beendigung dieses zufälligen Status aber von einem Aufschrei des Entsetzens begleitet ist. Darum bietet es sich durchaus an, das verdiente wie das unverdiente Vermögen so zu behandeln, als hätte man es nicht.

Die Tatsache, dass der Fortschritt immer einhergeht mit den Schattenseiten der gewissermaßen guten Absichten der Nutzung, erfordert eigentlich eine Bewusstseinskultur, die „erklärt“, wie die Gesellschaft mit den erweiterten Möglichkeiten aus der Forschung umgeht. Das Problem dabei scheint zu sein, dass der autonom bestimmende Mensch – in seinem wachsenden Anspruch – die negativen Seiten entweder als notwendiges Übel oder früher oder später als Normalität in seine Individualität integriert.

Die Grenzen für sein Tun sind immer in dem Moment veraltet, wenn er die Notwendigkeit der Anwendung der Forschungsmöglichkeiten auf dem Wege der Selbstbestimmung in seiner persönlichen Situation begründen kann. Das Primat seiner Bedürfnisse macht ihn grenzenlos. Was soll dann Ethik tun? Wovor soll sie denn warnen?

Denken und Handeln

Verunsicherung –
Was ist der Mensch?

Was ist der Mensch? – Die Begriffsbestimmung unterliegt einer sehr undifferenzierten Herangehensweise. Manche Politiker glauben, dass das Problem schon damit geklärt sei, dass sie Begriffe wie „multikulturelle Gesellschaft“ oder „Bürgergesellschaft“ benutzen. Selbst bei einer wissenschaftlichen Herangehensweise behilft man sich erst einmal nur damit, einen Fachmann, der sich mit der Thematik schon intensiv und am besten auch schon sehr lange befasst hat, zu benennen und zu zitieren.

Es ist aber notwendig, sich alle Äußerungen Wort für Wort selbst vorzunehmen, um zu erkennen, wo die Lücken sind. Das Interesse des Autors sollte schon erkannt werden. Ich muss den Punkt selbst finden, wo Wissenschaftlichkeit aufhört und die Politik anfängt.

Von unserer Weltanschauung hängt es ab, wie wir uns dem Anderen nähern. Das heißt auch, dass unser Selbstverständnis über das Menschenbild maßgeblich entscheidet, wie wir Kulturen und Religionen beurteilen und verstehen.


Desorientierung

Aktion Plakatierung gegen Rechts im Rahmen des Bundesprogrammes „Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – Gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“ (hier lokaler Aktionsplan (LAP) Sassnitz).





Wahlplakate der NPD 2009 in Sassnitz

Parallele Plakatierung der Initiative MENSCHENBILDER

Haltet den Dieb!

Was habt ihr Angst vor Moscheen in Köln und irgendwo, gebt ihnen die Baugenehmigung, sie sind doch nicht anders als wir, sie sind disziplinierte Steuerzahler, die die Bequemlichkeiten der Konsumgesellschaft suchen – sonst wären sie ja in Vorderasien geblieben. Das Geld, das sie zum Bauen brauchen, ist nicht schwärzer oder weißer als das, womit Kirchen gebaut werden. Was ist der Verkauf eines Döners gegen die Massentierhaltung und den kontinentalen Viehtransport der Mitgliedsländer der WTO?

Die Religionen, die ihre Götter in Häusern, Tempeln oder sonstigen Viadukten verorten, sind dem Kapital die angenehmsten Verächter unter den Kritikern des bösen Westens: Sie sind ihrem Eigentum verpflichtet, brauchen Notare, haben Baulasten und Grundstücksnachbarn, sind an die Medien der Ungläubigen angeschlossen und müssen den Winterdienst bezahlen, ob Gott es schneien lässt oder nicht.

Wenn Luther gewusst hätte, mit wie viel Raffinesse man es sich in zwei Reichen bequem machen kann, hätte er es erstens dem Kurfürsten Friedrich dem Weisen von Sachsen oder Thomas Müntzer überlassen, darüber nachzudenken, welche Möglichkeiten die weltliche Obrigkeit hat, um für Ordnung zu sorgen. Und zweitens hätte er noch einmal darüber nachgedacht, ob man nicht doch mit guten Werken mehr erreichen kann als durch den Glauben allein.

Hier Kohle machen und dort die elitäre Glaubensgemeinschaft mimen – dass ich nicht lache! Morgen wird der Bertelsmann-Konzern die Verwaltung der großen Religionsgemeinschaften übernehmen, damit sich die Gläubigen auf die jenseitigen Dinge konzentrieren können.

Auch wenn die Kriege, die uns noch heimsuchen werden, alle wie Religionskriege aussehen, sie sind Kriege des Großkapitals. Die Kriegstreiber werden erst aufhören, wenn alle den Hobbes‘schen Vertrag unterschrieben haben. Dann bedarf es nicht mehr des Umweges über die Rüstungsindustrie, um Profit zu machen, dann wird es eine Friedenssteuer geben, mit der man die Rüstungskonzerne für die Nichtproduktion entschädigen bzw. subventionieren wird. (Richter, Reihen und Folgen, 2009, unveröffentlicht)


Prävention und Intervention

Drewolke Projekt –
Antimobbing-Seminar für Schüler

Motto: Gemeinsam KLASSE sein.

Ziel: Schule kann die Opfer stärken und ihnen helfen, auf das Täterverhalten angemessen zu reagieren.

Der Begriff Mobbing ist eine Erfindung von uns Erwachsenen; kein Kind oder Jugendlicher wird sich selbst des Mobbings beschuldigen. Der Begriff sollte für die Erwachsenenqualifizierung reserviert werden, die versucht, dem Phänomen der Gewaltanwendung an Schulen vorzubeugen und ihm entgegenzusteuern. Jugendliche einer 8. Klasse brauchen nicht zu wissen, wie man ihr Verhalten systematisiert, sie brauchen Orientierung zu ihrem Verhalten, dazu sind Anhaltspunkte und verfügbare Horizonte vonnöten.


Zusammen leben lernen oder kämpfend alleine sein?

Unsere Welt scheint ein selbständiges und geordnetes System mit Regeln und Gesetzen zu sein. Es gibt Unregelmäßigkeiten, Krisen und auch deren Heilmittel. Sie hat eine Bestimmung: das Wachstum, den Weg zum Wohlstand, Überfluss und den sozialen Fortschritt.

Die Folgen unseres Handelns sind widersprüchlich. Das Zusammenleben ist ein Nebeneinander von Gegensätzen: Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer, die Zahl der technischen Möglichkeiten steigt und die Verwüstung der natürlichen Lebensbedingungen nimmt zu. Die Vielfalt der Nahrungsmittelsorten wächst weiter an, und auf der anderen Seite fehlt es an Grundnahrungsmitteln. Mehr Arbeitslose, mehr überflüssige Menschen und zugleich immer mehr Geld in immer weniger Händen.

Es gibt ein Lebensbedürfnis nach Orientierung. Kann dies nicht oder nur scheinbar befriedigt werden, sind gerade Kinder gefährdet. Sie werden unruhig, haben Angst und sind verzweifelt. Der einzige Weg aus dieser Sackgasse ist oftmals nur die Ablenkung mittels der schnellen Geister der Medienindustrie.

HIOB


Beratung in Krise und Existenz

Mit der Festlegung des Pfändungsfreibetrages hat der Monopolkapitalismus verraten, was er dem Volk zum Leben übrig lassen will, damit es nicht anfängt, die Paläste zu stürmen. Das wird sich eines Tages als Eigentor herausstellen, weil man die Besserverdienenden fragen wird, warum sie mehr verdient haben, als sie zum Leben brauchten. (Richter, Reihen und Folgen, 2009, unveröffentlicht)

Solange alles gut geht

Geschäftsführer oder Vorsteher, die keine oder nur sehr oberflächliche Rechenschaft an Vorstand, Mitglieder oder Aktionäre zu geben haben, bekommen schnell den Eindruck, dass sie in ihrer Position Hervorragendes leisten. Diese selbsternannten Götter vergessen aber, dass es lediglich die Liquidität des Unternehmens und die Nachlässigkeit der Kontrolllobby ist, die sie begehrlich erscheinen lässt. Geht die Kapitaldecke zum Teufel, werden plötzlich aus „stillen Teilhabern“ geifernde Besserwisser, die im Schatten des Erfolges nie zu sehen waren. Damit löst sich auch das Paradoxon auf, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht von den Fähigkeiten der Leitung abhängen muss. Ab einer bestimmten Kapitaldecke schadet dem Unternehmen die Inkompetenz seiner Administration nicht mehr. Mammon genügt sich selbst – er wird autoerotisch. (Richter, Reihen und Folgen, 2009, unveröffentlicht)